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Perleberg 14.11.1986

Hallo Brüderchen!

Herzlichem Danke für deinen Brief. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Ich danke Dir auch für die Grüße aus dem „Gässel“!
Den Tagesablauf darf ich Dir nicht schreiben, warum das können Dir auch die Eltern erklären. Das hat was mit Geheimhaltung zu tun.

Als Armeeangehöriger fühle ich mich hier sehr gut, außer dass ich erkältet bin, kann aber mit der Grippeimpfung zusammenhängen, die alle bekommen haben.
Deswegen geht es mir vielleicht so schlecht. Das Wetter hier oben ist nebelig und kalt.
Jeden Tag Frühsport 3000m laufen und das am Wochenende auch. Manchmal sogar 2x am Tag.
Am 14.11 ein Samstag haben wir das 1.Mal Ausgang. Eine Kaffeemaschine haben wir auch bei uns auf dem Zimmer.
Wieso löst sich das „Gässel“ langsam auf, doch nicht bloß wegen mir? Kommt Katrin auch nicht mehr dorthin?
Warum ist Vati krank, was hat er?
Brüderchen, du hast dich wirklich echt in die Kleine verliebt. Vielleicht seid ihr in 3 Jahren immer noch zusammen.
Du hast aber im Zimmer bloß meinen Schreibtisch weggerückt, oder?
Seit wann ist Disco bei euch zuhause? Das war doch sonst nicht!
Ich komme vielleicht bald nachhause, wenn ich dienstfrei bekomme zur Beerdigung unserer Tante.
Dass es so plötzlich passiert, war nicht gerade schön.
Wie geht es den anderen, Oma und Familie. Ich hoffe, die Oma bleibt noch eine Zeit bei uns.
Wie habt ihr sie überhaupt gefunden oder wer hat es Euch gesagt? Es war für mich ein schwerer Schlag, als ich den Brief gelesen habe.
Ich schreib dir aus dem Fach „Grenzsicherung“, weil man uns am Tag nur 1 h Freizeit gibt. Darum schreib ich Dir aus dem Unterricht.
Wie geht es dir so in der Schule? Hast du immer noch solche Probleme mit Herrn Selliger oder hat es sich gegeben?
Bestell den Eltern und anderen Verwanden schöne Grüße von mir! Und mir geht es gut.
So, ich mache jetzt Schluss, wenn Du Katrin siehst, bestell ihr schöne Grüße von mir
 
Tschau Thomas