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Perleberg 16.1.1987

Hallo Eltern!

Erst mal seid herzlich von mir gegrüßt und gleichzeitig herzlichen Dank für euren Brief. Auch für das Geburtstagspaket. Habe mich sehr darüber gefreut, von Oma Linde habe ich auch Post erhalten; woher weiß Oma Linde, daß mit Katrin Schluss ist? Hast du ihr bestimmt erzählt. Die Zeit in Perleberg vergeht schnell, 2 Wochen seit meinem Urlaub sind vorbei. Meinen Geburtstag habe ich auch gut gefeiert.

Musste ja an diesen Tag ins Armeelazarett (Neustadt/Glewe), dort war ich bis 10 Uhr, danach bin ich nach Ludwiglust gefahren und habe ein Stadtbummel gemacht, war nicht schlecht. Zu Mittag habe ich in der Gaststätte „Mecklenburger Hof“ gegessen, sehr angenehm dort gewesen. Habe dort für 22,15 Mark gegessen und getrunken und als Abschluss einen Eisbecher mit Erdbeeren. Habe also meinen Geburtstag gut gefeiert, war gegen 16 Uhr wieder in Perleberg zum Dienst.
Aber so schön ist das nicht, bleibe erst mal bis 27.1.1987 dienstuntauglich und dann muss ich wieder zum Arzt. Die Krankheit ist angeblich ein „Hautpilz“, schauen wir mal.
Von Vaters Mutter und seinen Brüdern habe ich auch viele Grüße bekommen, Oma Linde möchte mir auch noch ein Paket zukommen lassen. Über eure Geschenke habe ich mich sehr gefreut, über die Kragenbinden, Grenzbuch und die Taschenlampe.
Meine Prüfung rückt nun auch näher, ich habe gleich 3 Themen zugleich. Wird nicht einfach werden, muss also noch in Ruhe lernen. Die ganze Woche hatten wir bis 18:15 Uhr – Gesellschaftlichen Marxismus Leninismus (GML) Prüfungsvorbereitung. Die nehmen das hier sehr genau.
Meine anderen Zimmergenossen haben Wache und ich sitze im Klubraum, schreibe Briefe und höre Musik. Was soll man sonst machen außer Fernsehen!
Bei uns ist auch im Moment ganz schön was los – wir haben Alarmstufe 9. Das heißt Strom und Energie sparen, auch unsere Außenausbildung ist eingestellt! Und über die Dienstuniform müssen wir Wattejacke mit Fellmütze anziehen, mit Handschuhe. Am kältesten war es bei uns am Mittwoch -27 Grad, zu dieser Zeit hatten wir nur die Dienstuniform an.
Ist mein Paket bei euch angekommen, gleichzeitig schicke ich euch meine dreckige Wäsche.
Um nochmal zum Buch zukommen, es ist nicht schlecht. Vor allem die Formel 1 Bataillon = 300 Mann.
Nicht vernichten diesen Brief, Formel erkläre ich euch, wenn ich zuhause bin!

Das Essen wird nicht besser. Wie ist das Wetter bei Euch, auch so viel Schnee? Hat die Elbe Hochwasser? Ist die Katze noch da oder schon weg? Am besten, ich lass mich überraschen, oder? Was macht Jörg so, er kann mir ja auch mal schreiben. Von dem Mädchen, das mir geschrieben hat, habe ich auch schon Post bekommen. Aber ich mache jetzt Schluss für heute, es reicht erst mal, seid herzlich gegrüßt
Schickt mir bitte Bilder von mir, mit Uniform und ohne

Tschau Thomas
P.S. Warte auf Antwort